Hospiz in Waren (Müritz) wächst


„Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben“, mit diesem Grundgedanken, den Cicely Saunders als Begründerin der modernen Hospizbewegung prägte, eröffnete der DRK Kreisverband Mecklenburgische Seenplatte e.V. in Neustrelitz im Juni 2011 das erste stationäre Hospiz, das unter der Rotkreuzfahne geführt wird. „700 Frauen und Männer haben bereits  ihre letzten Lebenstage im Neustrelitzer Hospiz verlebt“, so Sascha Zwerg, Leiter des Luisendomizils. Auch wenn mit dieser Einrichtung eine Versorgungslücke für die Betreuung von schwersterkrankten Menschen an der Seenplatte geschlossen wurde, zeigte sich in den zurückliegenden Jahren, dass gerade in der Müritzregion der Bedarf an einem stationären Hospiz gewachsen ist. Aus diesem Grund entschloss sich der DRK Kreisverband Mecklenburgische Seenplatte e.V., eine stationäre Pflegeeinrichtung mit Hospiz in Waren (Müritz) zu bauen.

„Ein Jahr lang haben wir mit den Krankenkassen verhandelt und konnten sie schließlich mit Expertisen von niedergelassenen Ärzten der Region sowie dem Müritzklinikum und der Klinik Amsee von der Notwendigkeit überzeugen“, erinnerte sich Uwe Jahn an die Startschwierigkeiten. „Nun ist alles in Papier und Tüten“, so der DRK-Geschäftsführer, der sich über den stetigen Baufortschritt freut. Zwischen der Clara-Zettkin-Straße und der Thomas-Mann-Straße werden neben den 88 Pflegeplätzen auch zehn Hospizplätze entstehen. „Die ersten Zimmer kann man ja schon erahnen“, staunte Günter Rhein, der als Hospizbotschafter an der Seenplatte für die Hospizarbeit wirbt. Am Montagnachmittag besuchte Günter Rhein gemeinsam mit Uwe Jahn und Yvonne Janzen, Leiterin im Seniorenpflegeheim „Am Sinnesgarten“, die Warener Baustelle am Engelsplatz und informierte sich über den Bauverlauf. Hier, wo jahrelang ein alter Sportplatz verwaiste und Mutter Natur das Zepter in die Hand nahm, tummeln sich bereits seit einigen Wochen Bauarbeiter der Köthenbürger GmbH. Die erste Grundplatte ist gegossen und eine Etage wächst sachte in die Höhe. „Im Obergeschoss wird das Hospiz als offene Wohngruppe integriert“, erklärte Yvonne Janzen. Zehn geräumige Einzelzimmer umschließen einen gemeinschaftlichen Wohnbereich, der mit einer offenen Küche und Essbereich ausgestattet wird. „Alle Zimmer haben große Flügelfenster, die auf eine Terrasse führen“, erklärte Yvonne Janzen.

„So haben die Pflegefachkräfte die Möglichkeit, die Bewohner nach Wunsch samt Bett auf die Terrasse zu fahren“, ergänzte Uwe Jahn. Wertvolle Tipps konnten aus dem benachbarten Neustrelitzer Hospiz in das Projekt an der Müritz einfließen. „In einem Hospiz darf nicht nur geweint werden. Lachen und Lebensfreude werden großgeschrieben“, betont Yvonne Neumann, die als Pflegedienstleiterin im Neustrelitzer Hospiz arbeitet. So werden auch die Feste des Jahreskreises im Hospiz gefeiert. „Ein gutes eingespieltes Team, das sich auf die Bedürfnisse der Bewohner einstellt und gute bauliche Voraussetzungen bilden die Basis für eine gute Hospizarbeit. Baulich orientierte sich das DRK an seine jüngste Pflegeeinrichtung in Wesenberg und auch der personelle Part kann trotz Fachkräftemangel kompensiert werden. „Wir bilden seit vielen Jahren zielgesteuert Pflegefachkräfte aus und können uns als zertifizierter attraktiver Arbeitgeber in der Pflege über zahlreiche Bewerbungen freuen“, blickt Uwe Jahn zufrieden in die Zukunft des stationären Hospiz, das im Sommer 2019 in Waren (Müritz) eröffnet werden soll. „In der künftigen Einrichtung werden es 65 Arbeitsplätze in Vollzeit und weitere zehn in Teilzeit sein“, so der Geschäftsführer. Im stationären Hospiz werden Pflegefachkräfte mit einer zusätzlichen Palliativausbildung arbeiten, um den Bewohnern eine bestmögliche Versorgung zu gewähren. „Aber es wird bei den austherapierten Bewohnern nicht vorrangig um die Pflege, sondern um die Erfüllung kleiner letzter Wünsche gehen“, so Yvonne Janzen. Diese Wünsche ermöglichen unter anderem die Hospizpaten, die diese Arbeit unterstützen. „Ich möchte für die Müritzregion weitere Unterstützer finden, denn fünf Prozent der Hospizkosten müssen durch das DRK getragen werden“, erläutert Günter Rhein, der mit seiner ehrenamtlichen Arbeit „dem Leben nicht mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben geben“ möchte.

 

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