Badeunfall am Mirower See

 

„Ich habe nur meinen Job gemacht“, erwiderte Stefan Nadler, als eine Frau sich am Samstagnachmittag bei dem 36-Jährigen völlig emotional bedankte. Doch mit seinem Job als Rettungsschwimmer hat Stefan Nadler das Leben des Vaters der jungen Mirowerin gerettet. Was war passiert: Es ist kurz vor 10 Uhr am Freitagvormittag, als Stefan Nadler seinen Dienst am Mirow Badestrand in der Strandstraße antritt. Der Rettungsschwimmer lässt seinen Blick über die 1.000 Quadratmeter große Wiese und die angrenzende Wasserfläche am Mirower See schweifen, schaut zu den ersten Badegästen und checkt das Wetter. Es ist ein sonniger Tag mit leichtem Wind, ein ganz normaler Tag für den Rotkreuzler.

Die Flagge der DRK Wasserwacht und die „rot-gelbe“ Fahne zur Kennzeichnung des abgesicherten Badestrandes setzt Stefan Nadler pünktlich zum Dienstbeginn und freut sich auf seine Arbeit als Rettungsschwimmer. Michael Neumann, Leiter der Wasserwacht im DRK Kreisverband Mecklenburgische Seenplatte e.V., hatte sich angekündigt. „Alle Rettungstürme an den Badestränden, die wir absichern, erhalten neue automatisch externe Defibrillatoren (AED) und unsere Rettungsschwimmer die nötige Einweisung“, erklärte Michael Neumann. Stefan Nadler war einer der ersten Rettungsschwimmer, der den neuen Lebensretter und die entsprechende Einweisung erhielt. Das Nadler auch der erste sein würde, der den AED zum Einsatz bringen muss, ahnte er bis dahin noch nicht. Die sieben Stunden Dienstzeit waren fast geschafft, als sich aus einer bislang ruhigen Schicht die Situation dramatisch änderte. „Plötzlich schalten Hilferufe von Badegästen über den Strand“, erinnert sich Stefan Nadler. In Bruchteilen von Sekunden realisierte der versierte Rettungsschwimmer, der bereits seit 2007 in der Wasserwacht aktiv zur Sicherheit an den Stränden beiträgt, „hier ist schnelle Hilfe erforderlich“. Dann sah der Rotkreuzler, wie ein anderer Badegast versuchte, einen Schwimmer in 30 Meter Entfernung über Wasser zu halten. Ein Sprint über die Wiese, durch die Fluten gehechtet und Stefan Nadler war am Unglücksort. Ein 76-Jähriger Einheimischer, der regelmäßig hier zum Schwimmen kommt, lag leblos in den Armen des Retters. Nun galt es, das erlernte Wissen und jahrelange Training umzusetzen.

Wenn auch angespannt, wirkte der Rettungsschwimmer ruhig und arbeitete sein Schema ab. An Land wurden andere Badegäste eingespannt und zur Hilfe aufgefordert. Der Notruf wurde abgesetzt – der nächste freie Rettungswagen war im 25 Kilometer entfernten Neustrelitz. Der Rettungshubschrauber Christoph 48 wurde zusätzlich durch die Leitstelle alarmiert. Unterdes halfen ein Krankenpfleger und eine Krankenschwester bei der Reanimation des leblosen Mannes. Auch der erst am Nachmittag eingetroffene AED kam zum Einsatz und eine Analyse des Patienten wurde durchgeführt. Mittels Herzdruckmassage und Sauerstoffgabe konnte schließlich die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes überbrückt und der Senior stabilisiert werden. Der Rentner wurde schließlich auf eine Intensivstation zur weiteren Behandlung transportiert.

Eine enorme Last fiel jetzt von Stefan Nadler, der eine gefühlte Ewigkeit das Leben das Mannes in der Hand hatte. Die Einsatzmaterialien wurden zusammengepackt und der Rettungsschwimmer nahm sich einige Minuten Zeit, um mit den Ersthelfern, die bei der Rettung und Reanimation des Verunglückten halfen, zu reden. Erst viel später als gewöhnlich ging es an diesem Freitag für den Rotkreuzler nach Hause zur Familie. Bereits am nächsten Morgen packte Stefan Nadler wieder ein weißes Shirt und eine rote Badehose ein, um an den Mirower Strand zu fahren und hier als Rettungsschwimmer seinen Job zu machen.

 

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