Corona: Umgang in den Pflegeheimen

 

Das ist bei Weitem nicht der Grundgedanke, den eine Pflegeeinrichtung verfolgt. Geschlossene Eingangstüren, Besuchsverbot und Spaziergänge möglichst auf das eigene Territorium beschränkt. Mit dem Erlass der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern vom 16. März 2020 wurde der Besucherverkehr in stationären Pflegeeinrichtungen streng dezimiert. Der DRK Kreisverband Mecklenburgische Seenplatte e.V. betreibt fünf stationäre Pflegeheime, zwei stationäre Hospize sowie eine Tagespflege, die sich auf die aktuelle Situation einstellen müssen. „Es ist ein herber Einschnitt in die persönliche Freiheit, aber er ist leider auch unumgänglich“, erklärt Sebastian Morgenstern. „Ich kann Angehörige verstehen, die ihre Lieben besuchen wollen. Ich kann unsere Bewohner verstehen, wenn sie traurig gestimmt Familienfotos anschauen“, fühlt der Leiter der Wesenberger Pflegeeinrichtung mit. Aber es geht um den Schutz von Bewohnern und Mitarbeitern, die jetzt gemeinsam die Corona-Krise überstehen müssen. Im Wesenbeger „Woblitzpark“ leben 88 Bewohner und 60 Mitarbeiter versuchen, in die schwierige Zeit etwas Normalität zu bringen. „Wir können zwar den direkten persönlichen Kontakt zwischen Bewohnern und Angehörigen nicht zu lassen, aber wir können dennoch etwas Persönlichkeit und Familienfreude ermöglichen“, so Sebastian Morgenstern, der die technischen Möglichkeiten ausschöpft. Für das Pflegeheim wurde ein eigenes Mobiltelefon angeschafft. „Hierrüber können die Bewohner per Videotelefonie ihre Angehörigen sehen und sprechen oder tagesaktuelle Fotos senden und empfangen“, so Sebastian Morgenstern.

„Auch wir können leider den Angehörigen den Zutritt und damit den direkten Besuch unserer Bewohner nicht gewähren“, erklärt Torsten Lohmann. „Selbst wenn es für viele schwer ist, haben sie dennoch Verständnis für diesen drastischen Einschnitt“, so der Leiter der DRK-Pflegeeinrichtung „Müritzblick“ in Waren (Müritz). Insgesamt 60 Bewohner leben in der Pflegeeinrichtung am Kietz, 58 Mitarbeiter kümmern sich um die Pflege und Betreuung, auch sie müssen sich der neuen Situation anpassen und sich mit den aktuellen und notwendigeren Regeln arrangieren. „Es geht hier einzig und allein um den Schutz unserer Senioren und Mitarbeiter“, betont Torsten Lohmann. So kommen lediglich externe Anbieter, die einen medizinischen Auftrag und unaufschiebbare Dienstleistungen ausführen in die Pflegeheime. „Es geht aber allen Bewohnern und Mitarbeitern gesundheitlich gut und wir haben uns auf die neue Lage eingestellt“, so Torsten Lohmann.

Nicht viel anders sieht es im neu errichteten Pflegezentrum „Müritzpark“ in der Thomas-Mann-Straße von Waren (Müritz) aus. „Mit 65 Mitarbeitern versorgen wir 80 Bewohner und haben uns bereits gut arrangiert“, erklärt Yvonne Janzen, die die DRK-Pflegeeinrichtung in der Warener Westsiedlung leitet. Unterstützung bei der Pflege kommt derzeit von den eigenen Auszubildenden, denn der theoretische Unterricht wurde vorerst ausgesetzt. „Wie bei allen Pflegeeinrichtungen herrscht auch bei uns ein striktes Besuchsverbot, das wir natürlich umsetzen müssen“, so Yvonne Janzen. Mit viel Obst und der Nutzung von Terrassen und der großen Freifläche, die das Pflegeheim umsäumt, sollen die Abwehrkräfte der Bewohner gestärkt werden. „Zum weiteren Schutz der Bewohner haben auch wir die externen Dienstleistungen auf ein Minimum heruntergefahren“, so die Heimleiterin. Aber nicht nur der Pflegebereich ist im „Müritzpark“ untergebracht. Auch das stationäre Hospiz von Waren (Müritz) ist im DRK-Pflegezentrum integriert. „Mit zehn Gästen ist unser Hospiz vollbelegt“, erzählt Claudia Bajorat. „Unsere 18 Mitarbeiter sind allesamt gesund und versuchen weiterhin, den Aufenthalt der Hospizgäste so angenehm wie möglich zu gestalten“, so die Hospizleiterin. „Natürlich geht auch die Corona-Krise auch an uns nicht spurlos vorbei“, verdeutlich Claudia Bajorat. Aber Angehörigen wird hier der Besuch nicht verwehrt. „Wir müssen zwar den Zutritt auch im Hospiz beschränken, aber engste Familienmitglieder lassen wie nach wie vor die Zeit, die sie mit ihren Liebsten verbringen wollen“, unterstreicht Claudia Bajorat die Ausnahmeregelung. Wer nicht persönlich kommen kann, nutzt die Videotelefonie oder das normale Telefon, um mit den Hospizgästen in Kontakt zu bleiben.

Gleiches gilt im Neustrelitzer Hospiz. „Mit zehn Gästen sind wir ebenfalls voll ausgelastet. Unsere 17 Mitarbeiter sind alle gesund und können sich voll auf ihre Arbeit konzentrieren“, so Yvonne Neumann. „Wir arbeiten tagtäglich mit Gefühlen und konnten uns gut auf die Situation einstellen“, versichert die Leiterin des Hospizes im Luisendomizil. Den Angehörigen wird der Kontakt mit den Hospizgästen weitestgehend ermöglicht. Das bleibt den Bewohnern im Pflegebereich des Luisendomizil verwehrt. Hier gilt ebenfalls das angesetzte strikte Besuchsverbot. „Viele Angehörige kamen sonst täglich zu Besuch, haben jetzt aber Verständnis für die Maßnahmen“, so André Erdmann als Leiter der Einrichtung. Mit Telefonieren halten viele der 80 Bewohner trotzdem Kontakt zu Freunden und Familie. Diese Möglichkeit nutzen auch die 70 Bewohner im Neustrelitzer Pflegeheim „Kiefernheide“. Für Abwechslung sorgen zudem Spaziergänge im angrenzenden großen Terrassenbereich und das Betreuungsteam der Einrichtung.

Die 340 Mitarbeiter der stationären Pflegeeinrichtungen versuchen mit individuellen Konzepten das Leben so normal wie möglich für die Bewohner zu gestalten. Krankheitsbedingte oder durch die Betreuung von Kindern nötige Ausfälle gibt es kaum beim Personal, das nach wie vor gerne und tagtäglich „Von Mensch zu Mensch“ arbeitet.

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