Dritter Palliativtag in Neustrelitz

 

Das vom indogermanischen Begriff „anghu“ abstammende Wort „Angst“ umfasst eine Vielzahl von Gefühlsregungen, die jeder Mensch verspürt. Doch die wenigsten wissen „Angst hat viele Gesichter“ und genau unter diesem Motto hat der DRK Kreisverband Mecklenburgische Seenplatte e.V. am 13. Januar zum dritten Palliativtag nach Neustrelitz eingeladen. „Dieses sehr komplexe Thema haben die Teilnehmer im vergangenen Jahr angestrebt und so haben wir diesem Wunsch entsprochen“, erklärte Andrea Morgenstern vom ambulanten Hospizdienst. Nach einer kurzen Begrüßung der 60 Teilnehmer durch Moderator und Ehrenamtskoordinator Ronny Möller startete die Einführung in den Palliativtag gleich mit einer Expertenrunde. Diese setzte sich aus SAPV-Arzt Fabian Föhring, Pflegedienstleiter André Erdmann, Hospizmitarbeiterin Sabine Feldkamp, Uschi Rahn vom ambulanten Hospizdienst, Roswitha Graf als Angehörige eines Betroffenen und Andrea Morgenstern zusammen. Mit geballtem Fachwissen konnten die sechs Frauen und Männer das Thema „Angst“ aus vielen verschiedenen Blickwinkeln einläuten und stimmten die Anwesenden, die aus den ambulanten und stationären Pflegeberufen, aus den betreuten Wohnanlagen, dem spezialisierten ambulanten Palliativteam sowie aus dem Hospizbereich stammen, ein. Bereits zu Beginn der Veranstaltung zeigten einige Fallbeispiele, wie komplex das Thema der kommenden sechs Stunden sein wird. Und um dieser Komplexität gerecht zu werden, wurden fünf Arbeitskreise angeboten, die abwechselnd durch die Teilnehmer besucht wurden. „Die Angst aus psychoonkologischer Sicht“ wurde durch Andrea Morgenstern geleitet, die in ihrem Workshop erörterte, wie Menschen, Patienten und Angehörige, mit Ängsten umgehen.  „Angst braucht man zum Leben. Oftmals bemerken wir sie nicht, aber sie begleitet und permanent“, so die psychoonkologischer Beraterin. So lösen Ängste auch je nach Charakteren unterschiedliche Handlungsweise aus.

Aber auch Mitarbeiter haben Ängste. „Schaffe ich die gestellten Aufgaben und bin ich den Anforderungen gewachsen“, thematisierten Sabine Feldkamp und Susanne Böttcher vom Hospiz Luisendomizil in ihrem Rahmenkreis. „Die Teilnehmer kamen mit einer großen Offenheit in die Runde und signalisierten, dass dieses Thema gut und wichtig für eine professionelle Arbeit ist“, so die beiden Frauen. Wie Angehörige mit Traurigkeit, dem Verlust des Vertrauten und neuen unbekannten Situationen umgehen, konnte André Erdmann gemeinsam mit Roswitha Graf erörtern. Hier hatte der Pflegedienstleiter eine fachkundige Unterstützung, die beide Sichtweisen kennt. Denn Roswitha Graf war früher selber in der Pflege tätig und sieht sich jetzt als Angehörige eines zu Pflegenden auf einer anderen, bislang neuen Seite. „Unsere Teilnehmer haben festgestellt, dass verschiedene Angehörige mit der gleichen Situation jeweils anderes umgehen. Das löst natürlich auch andere Empfindungen aus“, so André Erdmann. „Das gilt auch für Patienten“, weiß unserer erfahrener SAPV-Arzt Fabian Föhring, der einen weiteren Workshop unter dem Thema „Die Angst aus Sicht des Patienten“ leitete. In kreativer Runde begrüßte Bianca Beyer ihre Teilnehmer, die das Wort Angst symbolisch zerlegten und gemeinsam neue Assoziationen fanden. „Nach einem anstrengenden, aber sehr lehrreichen Tag, konnten wir ausschließlich positives Feedback einsammeln“, freute sich Andrea Morgenstern, die den Teilnehmern für ihr Interesse, Ronny Möller für seine routinierte und ruhige Moderation und Annett Thiedig sowie Petra Gley für die liebevolle und unauffällige Umsorgung der Veranstaltung dankte.  Der vierte Palliativtag ist für den 19. Januar 2019 geplant.

 

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