Hospiz- und Palliativtag in Neustrelitz

Selbstbestimmung am Lebensende?!

Der Wunsch nach Selbstbestimmung liegt in der Natur des Menschen. Doch es gibt Situationen, wo die Zügel des Lebens aus den eigenen Händen gleiten. „Selbstbestimmung am Lebensende ?! Als wir dieses Thema für unseren heutigen Hospiz- und Palliativtag der Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz und Palliativmedizin Mecklenburg-Vorpommern e.V. gewählt haben, war uns nicht bewusst, wie aktuell wir am heutigen Tag sein werden“, begrüßte Ann Wenske am 22. November 150 Frauen und Männer im Neustrelitzer Leea.

Ist bei schweren Erkrankungen der Abbruch oder die gänzliche Verweigerung von medizinischen Therapien ein Selbstmord auf Raten? Oder obliegt es jedem einzelnen das Ende des eigenen Lebens zu bestimmen?  „Vielleicht ist auch diese Veranstaltung ein kleiner Beitrag dazu, die Diskussion über aktive Sterbehilfe oder ärztlich assistierten Suizid in eine Richtung zu lenken, die den Betroffenen gerecht wird.“ so die Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft. Mit ihren einleitenden Worten auf dieses sensible Thema machte Ann Wenske  neugierig auf einen Tag, der voller interessanter Module stecken sollte. So setzte sich der ambulante Hospizdienst aus Neustrelitz mit der „Macht und Ohnmacht“ in einem kleinen Theaterstück auseinander. Das laute Klacken eines Sekundenzeigers steigerte bereits zum Beginn des Bühnenstücks die Dramatik in „Fünfter sein“. Ein volles Wartezimmer einer Arztpraxis bot dem Handlungsschema mehrere Einzelschicksale, die gekonnt in nonverbalen Aktionen und einem gelungenen Zusammenspiel musikalischer Klänge dargestellt wurden. So auch das von Laiendarstellerin Andrea Morgenstern, die binnen weniger Minuten die Nachricht von ihrer unheilbaren Krankheit erfährt. Und eine gespielte Seniorin wurde von einer Krebserkrankung überrascht. Zerrissen von Angst und Ungewissheit fand sie Trost bei einem kleinen Kind, gespielt von Marie Josephine Eggebrecht. Derartige Handlungen von „Macht und Ohnmacht“ spielen sich täglich in Deutschland ab.

Und es entstehen „Geschichten vom Sterben und was am Ende wichtig ist“. So lautet auch das Buch von Palliativmedizinerin Petra Anwar. Die Berlinerin berichtete von Episoden mit sterbenden Menschen, die sie während ihrer Arbeit erlebte. Aus Sicht einer Angehörigen erzählte Michaela Seliga sehr emotional von ihren Erlebnissen, die sie während der Betreuung ihrer Schwester am Sterbebett prägten. Wie das professionelle Palliativteam mit dem selbstbestimmten Menschen umgeht, präsentierte Heidje Richter vom Neubrandenburger Klinikum. In einer moderierten Podiumsdiskussion versuchten die Teilnehmer das Für und Wider der Selbstbestimmung am Lebensende auszuloten und brachten mit einer Führung durch das Neustrelitzer Hospiz die Veranstaltung zu einem würdigen Abschluss, der dennoch viele Fragen offen ließ.

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