Warener Hospiz wächst weiter

 

„Das sieht doch schon gut aus“, staunte Günter Rhein, als er sich in dieser Woche mit Sascha Zwerg zu einem Baustellentermin in der Warener Westsiedlung traf. Beide reiben sich die Hände. Nicht zwingend vor Freude, denn winterliche Temperaturen zeichnen die Wangen der Männer rot und lassen den Atem sichtbar werden. Bis zu sieben Grad unterhalb des Gefrierpunktes frosten derzeit das Gelände zwischen der Thomas-Mann-Straße und der Clara-Zettkin-Straße. Dennoch sind Elektriker und Klempner emsig am Arbeiten. Auf einem 15.000 Quadratmeter großem Areal entsteht ein neues modernes Pflegeheim, das durch den DRK Kreisverband Mecklenburgische Seenplatte e.V. auf einem ehemaligen verwaisten Sportplatz errichtet wird.

Doch das Rote Kreuz will nicht nur eine weitere Pflegeeinrichtung für 88 Bewohner an der Müritz etablieren, sondern das jüngste Projekt wird auch ein stationäres Hospiz beherbergen. „Hier auf der Front des Dachgeschosses werden fünf der zehn Einzelzimmer mit einer umlaufenden Balkonempore verbunden. Die anderen Zimmer befinden sich dann gleichwertig auf der gegenüberliegenden Seite“, zeigte Sascha Zwerg, der neben dem Neustrelitzer Luisendomizil auch das Hospiz in Waren (Müritz) leiten wird, auf dem Bauplan. Günter Rhein lässt die Blicke von der Zeichnung über das Gelände schweifen. „Wir haben hier genau den richtigen Standort für dieses Projekt gewählt“, ist sich Rhein sicher. Der ehemalige Bürgermeister der Müritzstadt wirbt seit einigen Jahren als Hospizbotschafter in der Mecklenburgischen Seenplatte für Akzeptanz und Unterstützung für die Hospizarbeit. „Die ersten Schritte hierfür waren schwer, aber letztendlich erfolgreich“, so Günter Rhein. Nach und nach konnte das Thema „Leben, Sterben, Tod und Trauer“, das jeden zwangsläufig einmal betrifft, in die Öffentlichkeit gebracht werden. „Menschen wollen nicht nur in Würde leben, sie haben auch ein Recht, in Würde zu sterben“, unterstrich Sascha Zwerg. „Sicherlich favorisieren wir mit unserem Netzwerk aus Pflege und Palliativmedizin ambulant vor stationär, aber irgendwann kommt der Zeitpunkt für Sterbenskranke oder deren Angehörigen, wo es einfach nicht mehr in der Häuslichkeit geht“, so der Hospizleiter. Dann steht der Einzug in ein stationäres Hospiz für die Betroffenen an. „In Neustrelitz waren es im vergangenen Jahr 168 Frauen und Männer“, so Sascha Zwerg.

168 Frau und Männer, die den letzten Lebensweg in Würde beschreiten konnten. Zwar gelten die meisten Bewohner, die in ein Hospiz einziehen, als austherapiert, dennoch können ihnen Schmerzen, Atemnot, Übelkeit oder andere Begleiterscheinungen schwerer Erkrankungen genommen werden. „Diese pflegerischen Leistungen werden durch die Krankenkassen zu 95 Prozent finanziert. Den Rest, jährlich etwa 35.000 Euro Eigenanteil für ein Hospiz mit zehn Plätzen, muss der Träger finanzieren“, erklärt Günter Rhein. „Das Drumherum, mit letzten Wünschen der Bewohner, kleinen Veranstaltungen und Aktionen der Lebensfreude, wird gar nicht berücksichtigt“, so der Hospizbotschafter. Aus diesem Grund will Günter Rhein, der selbst auch fördernder Hospizpate ist, weitere Unterstützer in der Müritzregion gewinnen. Im kommenden Sommer werden die ersten Bewohner in die neue Pflegeeinrichtung „Müritzpark“ einziehen.

 

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